2015

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„Ich bleibe in der Beziehung“

Die Unbedingtheit der Beziehung von Eltern zu ihren Kindern ist die Grundlage für ein gutes Aufwachsen und für elterliche Einflussnahme auf das Verhalten der Kinder.

Die Sicherheit, die ein Kind erlebt, das sich auch in schwierigen Situationen auf seine Eltern und deren Verbundenheit verlassen kann, hilft Fehler einzugestehen. Die Sorge von Kindern, die Eltern könnten sie nicht mehr lieben, weil sie oder ihr Verhalten falsch sind, ist für Kinder eine existenzielle Bedrohung. Verbundenheit und Zugewandtheit zu spüren und das Vertrauen darin, dass es beim nächsten Mal besser gelingen wird, stärkt die Zuversicht, auch schwierige Herausforderungen bewältigen zu können und offen Sorgen und Ängste anzusprechen.

Die Symbolik dieser verlässlichen Verbundenheit, die einen eigenen Raum für Erkundungen und Entwicklung zulässt, unterscheidet sich grundsätzlich von der Idee, das Kind jederzeit  unter Kontrolle zu haben.

 

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Ich muss nicht immer alles gleich entscheiden und das Kind muss nicht gleich so sein, wie ich es haben will! 

Geduld und Beharrlichkeit gleichen sich wie ein Ei dem anderen und sind dennoch so verschieden und voller Überraschung wie die Wesen, die ihnen entschlüpfen.Ungeduld beschleunigt keinen Entwicklungsprozess und Unstetigkeit verunsichert die, die (hier) Orientierung und Halt suchen.Entscheidungen zu treffen, bevor sie reif sind, einen Entscheidungsprozess zu beenden, bevor man ihn als beendet empfindet, diese Ungeduld mit der eigenen Entscheidungsfindung bedeutet meist, sich einer fremden Erwartung zu beugen.Geduld mit sich und der eigenen Entscheidung zu haben ist die Voraussetzung dafür, selbst die Verantwortung zu übernehmen.Wenn ein Kind den Sinn der Entscheidung verstehen soll, braucht es Zeit, Geduld und Beharrlichkeit  und das Vertrauen der Eltern, dass es ihm gelingen wird.

 

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Ich nehme mir Zeit für dich, und wenn ich bei dir bin, bin ich nur bei dir und nicht in Gedanken woanders

 Hier und jetzt wirklich da zu sein und dabeizubleiben gibt Eltern die Möglichkeit, sich in ihrer Gegenwärtigkeit zu spüren. Kinder im Spiel zu erleben eröffnet Sichtweisen auf  Interessen, Vorlieben, Stärken und damit auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder. Sich auf ein Spiel einzulassen bedeutet auch in die gemeinsame Wirklichkeit eines Spiels  einzutauchen. In der  Achtsamkeit, die Eltern dem kindlichen Spiel schenken, spüren Kinder die Anerkennung für ihr Bemühen, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Liebe, Annahme, Anerkennung und Vertrauen sind die Grundlagen für eine gute Entwicklung.

Diese  Augenblicke, wenn Eltern ganz mit ihren Kindern sind, bleiben Anker und Ressourcen für schwierige und konfliktreiche Situationen. Gemeinsame Zeit zu genießen hilft Eltern und Kindern ihre Bindung zu intensivieren und dabei ist die Qualität der gemeinsamen Zeit von besonderer Bedeutung.

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Begegnungen auf Augenhöhe stärken die Beziehung und signalisieren unsere Wertschätzung! 

Begegnungen auf Augenhöhe sind  wünschenswert und vorteilhaft. Das wissen Politikerinnen und Politiker, Geschäftsleute oder Versicherungsmakler. Oft hat das nur eine rhetorische Qualität und ist eine versteckte Werbung oder Verkaufsabsicht und noch öfter merken Menschen das erst, wenn sie gewählt oder unterschrieben haben. Im Umgang mit der Familie und/oder mit Freunden ist Augenhöhe ein Signal für: „Ich interessiere mich für das was du sagst, meinst oder fühlst und ich möchte dir zeigen, dass ich ganz Ohr für dich bin und dir zuhöre. Wenn ich etwas mitteilen will, ist es mir wichtig, dass ich mit dir Kontakt aufnehme und dass du mir zuhören kannst.“
Die gegenseitige Beziehung zu erleben gelingt auf Augenhöhe und verdeutlicht das Prinzip der Gleichwürdigkeit. In dieser Beziehung kann jede und jeder seine Verantwortung in seiner Eltern, Patentante oder –onkel oder ältere Schwester wahrnehmen, ohne seinem Gegenüber die Würde zu nehmen.

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Mein Handeln ist unabhängig vom Verhalten des Kindes

 Kennen Sie das?

Sie haben sich den Auftritt eines Gastes anders vorgestellt und dann erscheint er „schlecht gelaunt“, „schlecht gekleidet“ oder „seltsam frisiert“. Schicken Sie diesen Gast weg oder brechen Sie das Fest ab?
Wahrscheinlich nicht, nein, davon lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen, zumal es nachher für Gesprächsstoff sorgen kann.
Eltern  reagieren bei ihren Kindern oft anders. Sie formulieren Ultimaten: „Entweder ziehst du dich so an, wie die Gesellschaft und ich es von dir erwarten, oder….!!!!“
….. und dann ist das Fest, der schöne Nachmittag, der wundervolle Ausflug im Eimer und die Eltern bringen sich selbst um ihr schönes Erlebnis.

Elterliches Handeln wird in dieser Situation vom Kind gesteuert, sie reagieren und das Kind übernimmt damit die Regie und macht aus dem geplanten Lustspiel einfach ein Drama. Elterliche Präsenz bedeutet, bei sich zu bleiben und die eigene gut überlegte Planung nicht umwerfen zu lassen.

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“ Ich drücke mein Selbstwertgefühl durch Klarheit und Eindeutigkeit aus!“

Wir trauen uns was, wir trauen uns gegenseitig etwas zu, wir vertrauen uns. Wir sind uns sicher und wir wissen was wir tun. Wir haben alles geübt und umsichtig ausprobiert. Wir wissen was wir können und was gefährlich ist. Kommt jetzt jemand dazu, der das anders sieht, der vorsichtig und ängstlich sich selbst und anderen nicht traut, nicht vertraut und nichts zutraut, dann macht das solange nichts, solange der Kritisierte sich nicht verunsichern lässt, bei sich bleibt, sich seiner selbst sicher ist und das klar und eindeutig zeigt.
Andernfalls führt die einsetzende Verunsicherung, zur Destabilisierung der handelnden Personen und auch das Kind wird verunsichert durch die verlorene Festigkeit des sicher geglaubten Standpunktes.

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„Selbstfürsorge ist für mich kein Fremdwort“

Für sich selbst da zu sein, sich und die eigenen Anliegen ernst– und wahrzunehmen, sich selbst etwas Gutes zu tun oder etwas abzuverlangen, das meint Selbstfürsorge. Manchmal ist es auch notwendig, seinen inneren Kritiker auf das hinzuweisen, was jeden Tag gut gelingt. Raum für sich zu haben ist nicht von baulichem Raum abhängig, sondern von der inneren Haltung. Das kann das Dachgeschoß mit dem Mal-, Lese-, Musik-, Briefmarken-, Strick-, Bastel- oder Sonstwaszimmer sein, oder auch meine Ecke im Garten oder  mein Motorrad, die Parkbank, das Rheinufer, der Botanische Garten, die Volkshochschule, das Café oder, oder, oder…..

Alles, was dazu dient, die eigene Entwicklung voranzubringen und sich zu entfalten.

Diese Herausforderung  anzunehmen braucht  Mut und Selbstverantwortung, und damit Eigenschaften, in denen wir Modell für unsere Kinder sein können.

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„Ich bleibe in Beziehung und zeige mein Interesse auch in schlechten Zeiten.“

Manchmal ist das Familienleben von Vielerlei äußeren und inneren Belastungen strapaziert. Räumliche Trennungen, die arbeits– oder beziehungsbedingt sind, Krankheit oder Arbeitslosigkeit, Unfall oder persönliche Misserfolge, all diese Dinge beschäftigen und beeinflussen die Stimmung und Atmosphäre der Familie. Trotz all dieser Herausforderungen des erwachsenen Lebens einen Weg zu finden, Kindern als Vater oder Mutter zu begegnen, ihnen Zuversicht und Sicherheit zu schenken, dass sie, die Kinder zwar von dem ganzen Stress betroffen sind, aber keine Schuld oder Verantwortung dafür tragen, das braucht Phantasie und guten Willen. Gerade wenn sich ein Paar in einem existenziellen Konflikt befindet, das Gefühlschaos einem Erdbeben der Stärke 9 auf der nach oben offenen Skala gleicht, ist es von ungeheurer Bedeutung und Hilfe für die Kinder, dass sie sicher sein können, dass dieser Konflikt Erwachsenensache ist, und dass ihre Eltern ihre Eltern bleiben und sie weiter lieb haben und für sie da sind.

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„In schwierigen Situationen sich Hilfe zu holen, zeigt Kompetenz – nicht Schwäche.“

Es gibt Situationen im Leben einer Familie, da ist alles echt  durcheinander und Eltern können den Überblick und die Ruhe verlieren. Oft glauben sie dann, ihre Situation wäre selbst verschuldet, und Scham oder Stolz lassen sie schweigen. Die Gefühlswahrnehmung schwankt zwischen „Ist vielleicht nicht so schlimm“ und „Das kann nur in die Katastrophe führen“. Erfahrungen in manchen  Gesprächen mahnen zur Vorsicht: „Hättest du nur auf mich gehört!“ oder „Ich hab doch schon immer gesagt!“ bis zu „Das hab ich schon kommen sehn!“

In solchen Situationen helfen nur Menschen, die wissen, dass Ratschläge und Tipps eben nicht helfen. Zuhören und echtes Interesse an der Situation können neue Ideen entstehen lassen und oft kann professionelle Hilfe auch dazu dienen, die Eskalation der Situation zu verhindern und Zuversicht zu erlangen, dass es gelingen wird, eine Lösung für die kniffelige Situation zu finden.

 

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„Es gibt Augenblicke, die sind einfach nur zum Genießen.“

„…..wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben. Falls du es noch nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben; nur aus Augenblicken, vergiss nicht den jetzigen!“ –  das schrieb Jorge Luis Borges1 in einem Gedicht mit 85 Jahren. Oft überdeckt die Sorge, dass die harmonische, stimmige Situation nicht anhält, den glücklichen Augenblick.  Angst  vor der Zukunft stört unser Fähigkeit zu genießen. Sie vernebelt den Blick auf das hier und jetzt und schwächt unsere Zuversicht auch das nächste Hindernis zu überwinden und die nächste stimmige Situation gemeinsam zu erleben. Ein Moment des Glücks und dann geht’s weiter!

1 (* 24. August 1899 in Buenos Aires; † 14. Juni 1986  in Genf, Argentinischer Schriftsteller, Verfasser von phantastischen Erzählungen, Kurzgeschichten und Gedichten)