2014

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„Ich bleibe, auch wenn es schwierig wird.“

Wer kennt das nicht?

Die Situation ist verstrickt, es findet sich kein Anfang und kein Ende und wo man zieht und zerrt, alles ist so vertuckt, dass es eher noch verworrener erscheint als zuvor. Die schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Dabei warten andere Aufgaben und gleichzeitig klingelt es und jemand ruft auch noch. Jetzt nicht die Geduld zu verlieren, konzentriert bei der Sache zu bleiben und nicht nach dem/der Schuldigen zu suchen, sich ungehalten hineinziehen zu lassen und völlig den Überblick und eine mögliche Lösung aus dem Auge zu verlieren. Im wahrsten Sinn des Wortes eine Zerreißprobe. Aber zerrissen ist zerrissen, man kann es vielleicht wieder zusammenknoten, aber es ist nicht mehr dasselbe. Mit Geduld und Beharrlichkeit kommt man zum Ziel.

 

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„Ich bin beharrlich und lasse mich nicht abschütteln!“

Die Tür ist zu!

…und nun sitzen Sie da, klopfen, rufen, schreien, bitten, drohen: wenn du nicht… dann!!!
Manchmal können Kinder nicht zuhören, weil das, was die Eltern sagen, keine Antwort auf die gestellte Frage sein wird, weil es nichts mit dem Problem zu tun hat. Wie leicht bietet sich die „Schein“ Lösung an: „Das macht sie nur aus Trotz, um mich zu provozieren, die Grenzen zu testen, mich herauszufordern.“ Können Eltern durch Schreien, Toben, Drohen, gegen die Tür Bollern deutlich machen, dass sie sich sorgen, dass sie helfen wollen, dass sie als Eltern sich für das interessieren, was das Kind bedrückt, verstummen lässt, den Rückzug und das Verstecken notwendig macht?
„Ich kann warten, ich bin für dich da, auch wenn du Mist gemacht hast, du kannst dich darauf verlassen, dass ich dich liebe, denn du bist mein Kind, das Kind, das ich immer wollte, mit allen guten Eigenschaften und mit allen Problemen. Und auch wenn ich mit dem, was du getan hast, nicht einverstanden bin und ich dich dafür kritisiere, von dir ein anderes Verhalten verlange, bin ich beharrlich und lasse mich nicht abschütteln.

wertschätzung

„Meine wertschätzende Haltung ist erlebbar.“

Das habe ich gesehen!

Du bist genau das Kind, das ich liebe, und genau das Kind, das ich mir gewünscht habe. Genau du, mit all den unterschiedlichen Facetten deiner Persönlichkeit. Meine Achtsamkeit gilt der Aufgabe, dich auf deinem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten. Dabei achte ich auf das, was du jeden Tag dazulernst und jeden Tag Neues kannst. Mein Verhalten und meine Rückmeldungen geben dir die Möglichkeit zu bemerken, wie sehr ich mich mit dir freue, wenn etwas gelungen ist, und wie ich deinen Mut schätze, es immer wieder von Neuem zu versuchen, wenn es noch nicht so gelungen ist, wie du es dir vorgestellt hast. Du kannst spüren, dass ich mich mit dem, was du mir zeigst, beschäftige und mit dir darüber rede, wie und was ich in dem sehe, was du geschaffen hast.

einsteigen

„Ich kann mich bei Eskalationen kontrollieren und steige nicht mit ein.“

Das darf doch nicht wahr sein?

Da klebt der Kartoffelbrei direkt über dem Auge. Das ist frech und überraschend, damit hat niemand gerechnet.
Was nun?
Einsteigen, das Kind anbrüllen, was ihm denn eigentlich einfällt, was es sich herausnimmt und überhaupt…
Oder Kartoffelbrei zurückwerfen?
Oder das Kind rausschmeißen?
Mit jeder dieser Reaktionen ließe man sich in eine Eskalationsschleife hineinziehen. Und die Zwangsvorstellung, dass Eltern immer unmittelbar handeln müssten, sitzt dabei im Nacken. Allerdings wirkt die Aktion so überrumpelnd, dass es gut wäre, erst mal über diese Situation nachzudenken.
Sobald ich mich aber hineinziehen lasse, geht mir elterliche Souveränität verloren, ich verlasse möglicherweise meine Elternrolle und nehme eine Rolle wahr, die mir eigentlich nicht behagt. Authentisch bleiben: „Das hat mich verletzt und überrascht, mit so einer Attacke habe ich nicht gerechnet, da muss ich drüber nachdenken, aber ich komme darauf zurück und werde mit dir darüber reden,“ ist eine mögliche Option.

vorbild

„Ich predige keine Werte, die ich nicht lebe.“

Tausend mal hab ich schon gesagt, dass es zu gefährlich ist ohne Helm Fahrrad zu fahren.

„Diverse Studien, deren Ergebnisse nicht unwidersprochen geblieben sind, behaupten, dass das Tragen von Fahrradhelmen die Kopfverletzungen um bis zu 88 Prozent reduziere und auch die Todesrate bei Fahrradunfällen senke. Insofern wird gefolgert, dass Fahrradhelme einen wirksamen und sinnvollen Schutz darstellten. Folglich sei auch die Helmbenutzung eine sinnvolle und wichtige Maßnahme zur Verringerung von Kopfverletzungen.“

„Das hab auch ich gelesen und deshalb will ich auf der sicheren Seite sein und mein Kind schützen. Aber dann, immer dieses Theater, er will den Helm nicht aufsetzen und ich rede mir den Mund fusselig. Da kann ich noch so oft erklären, dass es zu seinem Besten ist und dass es wichtig ist, damit er gesund bleibt, denn auch wenn man super gut Rad fahren kann, und es gar nicht selbst schuld ist, kann es passieren, dass man stürzt, und dann kann eine Kopfverletzung sehr schlimme Folgen haben, weil das Gehirn das Zentrum allen Denkens ist und was das bedeutet, wenn es beschädigt wird……
Und dann, dann sagt er nur, dass er groß sei und ein superguter Fahrradfahrer und das deshalb der Helm völlig babymäßig überflüssig sei und dann gibt’s Streit, Tränen und der gemeinsame Ausflug ist im Eimer.“

meine beziehung

„Meine Beziehung zu Dir ist das Wichtigste!“

Ausbalanciert können viele Kunststücke gelingen.
Es ist eine unwidersprochene pädagogische Weisheit, dass es nur dann gelingt, nachhaltig Einfluss auf das Verhalten eines anderen Menschen zu nehmen, wenn eine entsprechende Beziehung zwischen den beiden besteht. Die Eltern—Kind –Beziehung ist geprägt von Begriffen wie sicherer Bindung, Liebe, Annahme und Vertrauen. 
Deshalb ist es die Aufgabe der Eltern als Erwachsene, die Wichtigkeit der Beziehung im Blick zu behalten. Auch wenn es auf Augenhöhe zugeht, sorgen die Eltern für die sichere Basis, halten die Verantwortung, dass es zu keinem (Zusammen)Bruch kommt. Wir Eltern sorgen uns darum, dass, was auch immer passieren mag, die Beziehung erhalten bleibt.
Wie bei dem turnerischen Kunststück bleibt die Verantwortung und die Herausforderung, das Risiko abzuschätzen, und abzubrechen, wenn eine sichere Landung nicht abzusehen ist, beim Erwachsenen.

nicht allein

„Ich bin nicht allein, ich weiß an wen ich mich wenden kann.“

Es gibt Augenblicke, da reichen zwei Hände und zwei Augen einfach nicht aus. Das sind Situationen in denen sich Mütter und Väter völlig verlassen fühlen, ausgesetzt den Stromschnellen und Untiefen des Lebensflusses, voller Angst, den Überblick und Halt zu verlieren, ja möglicherweise einfach unterzugehen. Das passiert und gehört einfach zum Leben dazu. Dass es uns Eltern überrascht, bedeutet nicht, dass wir sowas nicht kennen, aber gerade in diesem Augenblick hat keine oder keiner damit gerechnet. Allerdings wissen wir auch, dass es passieren muss, dass es in der einen oder anderen Form geschieht, ohne dass wir es voraussagen können. Auch darf ich z.B. meine Wagenfeld Lampe lieben, nicht so wie die Kinder, aber immerhin ist es ein Verlust, der durch Unachtsamkeit passiert und im ersten Augenblick katastrophal wirkt. Wenn dann noch jemand im Nachhinein belehrend meint, sowas hätte man/frau voraussehen können und müssen, dann können Eltern durchaus die Fassung verlieren.
Damit solche Situationen gemeistert werden, braucht man Menschen, auf die man sich verlassen kann, Unterstützerinnen, aber keine Ratgeber, verständnisvolle Zuhörer und keine Besserwisserinnen, halt ein Umfeld, dass genau weiß, dass man die Herausforderungen im Leben mit Kindern nicht ohne ein gutes Netzwerk glücklich bestehen kann.

verhalten

„Ich liebe dich, dein Verhalten aber nicht immer!“

Jetzt ist es passiert. 
So ein Unglück, der Lieblingssessel des Vaters, einfach zerstört. 
Was soll der Vater dazu sagen? 
Ärger und Wut, Trauer um das gute Stück, die Gefühle entwickeln eine ganz schöne Dynamik. Was macht und denkt dieses Kind?
‚Die Neugierde war einfach zu groß, wie sieht ein Sessel von innen aus und kann man sich darin vielleicht verstecken.‘ 
Aber das ist nicht in Ordnung, so was darf das Kind nicht machen, auch wenn die Wissbegierde noch so groß ist. Nein, so ein Verhalten darf nicht noch mal vorkommen, das muss dem Kind klar werden. Wie können Eltern erklären, dass die Geschicklichkeit im Umgang mit der Schere, die Kraft den dicken Stoff durchzuschneiden, das Interesse am Innenleben des Sessel, dass das alles nachzuvollziehen ist, dass aber klare Regeln gelten, z.B. dass nichts einfach zerstört werden darf und das Kind deshalb hätte fragen müssen, wie man etwas über den Sessel und das darin Verborgene erfahren kann. – Und was kann das Kind dem Vater anbieten, um es wiedergutzumachen:
Eine Chance zu lernen, was geht und was nicht geht, dass es Grenzen gibt und dass es Verhalten gibt, was Eltern nicht dulden, ohne dabei auch nur einen Deut ihr Kind weniger zu lieben.

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„Wir sind Eltern, und wir bleiben in der Verantwortung.“

Das traue ich dir zu!
Die Verantwortung dafür liegt aber im Bild beim Vater. Unsere Kinder haben uns den Erziehungsauftrag gegeben:

  • Schütze mich!
  • Zeige mir, wie man lebt!
  • Hilf mir, es selbst zu tun!

Es ist Elternentscheidung und Verantwortung, wie das Zutrauen abgesichert wird. Sicher eine der großen Herausforderungen, denen sich Eltern stellen müssen. Der Grat zwischen notwendigem Schutz und hinderlichem Beschützen ist schmal, ja manchmal kaum zu sehen. Aber wie gut es tut, groß zu werden und immer mehr alleine zu schaffen, sieht man den strahlenden Augen der Kinder an.

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„Familienglück heißt, für alle bleibt Platz, Zeit und Raum, eigene Bedürfnisse nach den gegebenen Möglichkeiten zu befriedigen.“

…. und dann diesen Augenblick genießen!
So etwas gibt es nicht so oft, aber wenn es passiert, dann stellt sich ein Gefühl von „Das ist uns jetzt gelungen“ ein, und die Erinnerung an diese gelungene Situation, wird zu einer Stärkung in all den Momenten, in denen Eltern die Zuversicht abhandenkommen kann, die schier unüberwindbar scheinen. 
Wenn die Erinnerung daran, dass es  schon mal gelungen ist, Kraft gibt, beharrlich zu sein, und wenn es gelingt, die positiven Erlebnisse im Blick zu behalten (vielleicht in einem kleinen Büchlein), dann schaffen sich Eltern selbst eine ganz eigene Quelle für elterliche Stärke. 
Eltern sind dann stark, wenn es ihnen gelingt, sich den Herausforderungen familiärer Situationen zu stellen und dabei zu wissen, dass dieser Balanceakt meist nicht auf Kommando gelingt.